Anja Urban

Zwei tote Frauen, so nüchtern beginnt die Reihe von Anja Urban, und dieser lakonische Auftakt gibt den Ton vor. Stein und Martens heißt das Duo, das in Ostfriesland ermittelt, acht nummerierte Bände sind verzeichnet, dazu eine zweite Serie unter dem Reihentitel Ermittlungen an der Küste. Wer Ostfriesenkrimis mit klassischer Polizeiarbeit und klaren, fallbezogenen Titeln sucht, wird hier fündig.

Anja Urban und ihre Ostfriesenkrimis: Stein und Martens ermitteln

Die Titelliste liest sich wie eine Chronik von Leichenfunden entlang der Küste, und genau das ist Programm. Auf Zwei tote Frauen folgt Der Tote am Krabbenkutter, ein Fundort, der das Arbeitsleben der Häfen ins Spiel bringt, danach Die Leiche in der Düne, der klassischste aller Küstenfundorte, und Tödliche Lügenflut, wo die Flut zur Metapher wird, gelogen wird in diesem Genre schließlich mit den Gezeiten um die Wette. Weiter geht es mit dem Toten im Fischerdorf, mit Zwei Tote an der Küste und Zwei Leichen an der Küste, die Doppelfunde scheinen eine Spezialität des Duos zu sein, und mit dem toten Ostfriesen am Jümmesee, einem Schauplatz, der Ortskenntnis verrät: Der Jümmesee liegt im Binnenland bei Filsum, abseits der Touristenküste, dort, wo Ostfriesland am alltäglichsten ist. Der Sammelband Tod an der Küste bündelt die ersten beiden Fälle für alle, die kompakt einsteigen wollen.

Orientierung im Werk

  • Stein und Martens: Band 1 Zwei tote Frauen, Band 2 Der Tote am Krabbenkutter, Band 3 Die Leiche in der Düne, Band 4 Tödliche Lügenflut, Band 5 Der Tote im Fischerdorf, Band 6 Zwei Tote an der Küste, Band 7 Der tote Ostfriese am Jümmesee, Band 8 Zwei Leichen an der Küste
  • Sammelband: Tod an der Küste mit den Bänden 1 und 2
  • Ermittlungen an der Küste: Band 1 Tod im Auricher Zwielicht, Band 2 Ein Tod allein war nicht genug

Morde an Ostfrieslands Küste: die zweite Reihe

Unter dem Obertitel Morde an Ostfrieslands Küste läuft die zweite Serie, und ihre Titel schlagen einen etwas anderen Klang an. Tod im Auricher Zwielicht verlegt den Fall in die heimliche Hauptstadt Ostfrieslands und verspricht mit dem Zwielicht ein Milieu zwischen Anstand und Abgrund, wie es Kreisstädte dieser Größe tatsächlich pflegen, nach außen Behörde und Marktplatz, nach innen die üblichen Verstrickungen. Ein Tod allein war nicht genug ist dann schon fast ein Thrillertitel, ein halber Satz, der eine Eskalation ankündigt. Die zweite Reihe wirkt damit eine Spur düsterer und psychologischer als die fallorientierte Hauptserie, was für Leser die angenehme Wahl lässt, je nach Stimmung zwischen beiden zu wechseln.

Was dieses Werkprofil auszeichnet, ist seine Geradlinigkeit. Keine verspielten Wortschöpfungen, keine kulinarischen Kalauer, sondern Titel, die sagen, was drin ist: Tote, Fundorte, Ermittlungen. Das ist die sachliche Schule des Ostfrieslandkrimis, und sie hat ihre treue Leserschaft, Menschen, die einen ordentlichen Fall einer originellen Verpackung vorziehen. Die Schauplätze stimmen dabei erfreulich, vom Krabbenkutter über das Fischerdorf bis zum Jümmesee wird erkennbar in der echten Region ermittelt und nicht in einer Postkartenkulisse.

Über die Autorin macht die Werkliste keine weiteren Angaben, also bleibt Biografisches außen vor. Der Einstieg ergibt sich von selbst: Zwei tote Frauen als Band 1, oder gleich der Sammelband Tod an der Küste, der die ersten beiden Fälle liefert und damit die günstigste Eintrittskarte in dieses Revier ist. Wer danach Blut geleckt hat, im Leserssinne, findet mit den Auricher Ermittlungen gleich die nächste Tür.

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